Was hat sich in der Norm für Sicherheitsschuhe geändert?
Praktische Bedeutung der überarbeiteten Prüfverfahren, Kennzeichnungen und Schutzklassen nach EN ISO 20345 für Arbeitgeber und Einkauf.
Mit EN ISO 20345:2022 wurden Prüfverfahren, Zusatzanforderungen und Kennzeichnungen für Sicherheitsschuhe überarbeitet. Bereits rechtmäßig in Verkehr gebrachte und gültig zertifizierte Modelle werden dadurch nicht automatisch unbrauchbar; maßgeblich sind die jeweilige EU-Baumusterprüfbescheinigung, die Herstellerunterlagen und die betriebliche Gefährdungsbeurteilung.
1. Rutschhemmung
Die früheren Kennzeichnungen SRA, SRB und SRC werden in der Ausgabe 2022 nicht mehr verwendet. Eine Grundprüfung auf keramischem Boden mit Reinigungsmittellösung ist Bestandteil der Basisanforderungen und wird deshalb nicht gesondert gekennzeichnet.
Zusätzlich kann die optionale Prüfung SR auf keramischem Boden mit Glycerin erfolgen. Die Prüfrichtung und das Verfahren wurden gegenüber früheren Ausgaben angepasst. Auch ein SR-geprüfter Schuh muss auf dem tatsächlichen Betriebsboden mit den realen Verunreinigungen und Reinigungsverfahren erprobt werden.
2. Durchtrittschutz: P, PL und PS
Die Kennzeichnungen unterscheiden nun klarer zwischen metallischen und nichtmetallischen Einlagen:
- P: metallische durchtritthemmende Einlage, geprüft mit einem 4,5-mm-Nagel.
- PL: nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem 4,5-mm-Nagel.
- PS: nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem 3,0-mm-Nagel und zusätzlichen Anforderungen an die Prüfergebnisse.
Die kleinere Prüfspitze bei PS ist für bestimmte feine Durchtrittgefahren relevant. Die Kennzeichnung ist dennoch keine allgemeine Rangliste: Das betriebliche Gefährdungsbild entscheidet.
3. Neue Zusatzanforderungen
- LG – Ladder Grip: definierte Absatz- und Sohlengeometrie für besseren Halt auf Leitersprossen.
- SC – Scuff Cap: geprüfte Abriebfestigkeit der Überkappe im Zehenbereich.
4. Geänderte Zusatzanforderungen
- FO: Beständigkeit der Laufsohle gegen Kraftstoff ist nicht mehr automatisch Bestandteil jeder Klasse ab S1, sondern eine gesondert anzugebende Zusatzanforderung.
- AN: Die Anforderungen an den Knöchelschutz wurden präzisiert.
- WPA: ersetzt die frühere Kennzeichnung WRU für Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Obermaterials. WPA ist nicht mit WR, der Wasserbeständigkeit des gesamten Schuhs, gleichzusetzen.
5. Neue Schutzklassen S6 und S7
- S6: entspricht S2 und erfüllt zusätzlich die WR-Anforderung an die Wasserbeständigkeit des vollständigen Schuhs.
- S7: entspricht S3 und erfüllt zusätzlich WR. Je nach Durchtrittschutz werden S7L und S7S unterschieden.
Übersicht wichtiger Klassen nach EN ISO 20345:2022
SB = Grundanforderungen
S1 = SB + geschlossener Fersenbereich + A + E
S1P = S1 + P
S1PL = S1 + PL
S1PS = S1 + PS
S2 = S1 + WPA
S3 = S2 + P + profilierte Laufsohle
S3L = S2 + PL + profilierte Laufsohle
S3S = S2 + PS + profilierte Laufsohle
S6 = S2 + WR
S7 = S3 + WR
S7L = S3L + WR
S7S = S3S + WR
Für Schuhe aus Vollgummi oder vollständig geformtem Kunststoff gelten ergänzend S4 sowie S5, S5L und S5S. Prüfen Sie stets die vollständige Kennzeichnung, die EU-Konformitätserklärung und die Herstellerinformation des konkreten Modells.
Wie Schutzklasse, Boden, Passform und Tragezeit zu einer belastbaren Auswahl zusammengeführt werden, zeigt unser Leitfaden zur Auswahl von Sicherheitsschuhen. Für einen strukturierten Produktvergleich können Sie außerdem ein Angebot anfordern.